Arbeiten, Einstellung und selbstbestimmtes Leben (05.09.2017)

 

Mein Jahr 2017 startete ganz normal. Privat lief soweit alles gut. Die Yogaklassen bei InnerSmile Yoga machten richtig Spaß und die Neueröffnung von PeaceOut Yoga stand vor der Tür. Bei Staples deutete sich der Verkauf von Staples Europa an die amerikanische Cerberus an.

Soweit also alles okay. Ein angenehmer Mix aus Liebgewonnenem, Neuem und Unvorhersehbarem.

 

 

Im Gespräch mit einer lieben Freundin habe ich Anfang Januar erfahren, dass Lemonaid einen Einkäufer für sucht. Die diffuse Intension, meinem alltäglichen Arbeitsleben endlich Sinnhaftigkeit zu verleihen und das klare Wissen, dass sich bei Staples in den kommenden Monaten eher wenig Sinn finden lässt, führten zu Bewerbung. Ich war guter Dinge. Schon alleine das Schreiben, Versenden und Abwarten hat mich in eine schwungvolle Stimmung versetzt. Und ich wartete lange. Aber das war okay. Leider kam eine Absage. Das war auch okay. Was blieb war die Frage nach der Sinnhaftigkeit meiner Arbeit bei Staples. Inzwischen war März, der Verkauf an Cerberus soweit abgeschlossen. Ich hoffte auf Veränderung, wartete ab, fokussierte mich auf meine Yogaklassen und mein Privatleben.

 

 

Mitte März startete mein 6-wöchiger Selbstverteidigungskurs. Es hat tierisch Spaß gemacht, in den Fanräumen des FC St. Pauli ein paar Tricks und Kniffe zu lernen, und danach in Jogginghose noch auf ein Getränk im Café Miller vorbei zu schauen. Leider musste ich den Kurs bereits nach dem dritten Treffen aufgeben, denn ab Mitte April galt es den Krebs zu bekämpfen, der sich still und heimlich in meinen Körper eingeschlichen hatte.

 

 

Das mache ich nun seit knapp 5 Monaten. Die Arbeit gegen den Krebs fragt nicht nach Sinnhaftigkeit. Stattdessen stelle ich stelle mir jeden Tag die Frage, mit welcher Einstellung ich diese Art der Arbeit bewältigen kann.  Bisher ist es mir bis auf einige wenige Ausnahmen gelungen, mit einer positiven, klaren und selbstbestimmten Einstellung ganz gute Ergebnisse zu erzielen. Ich kann mir den Krebs nicht wegwünschen, aber ich kann eigenständig entscheiden, mit welcher Einstellung ich der Erkrankung tagtäglich begegne.

 

 

Jetzt ist September. Privat läuft soweit alles bestens. Ich unterrichte seit einigen Wochen wieder meine Yogaklassen. Und am kommenden Montag startet meine Wiedereingliederung bei Staples. Da ist er wieder, der angenehme Mix aus Liebgewonnenem, Neuem und Unvorhersehbarem. Was bleibt ist die Frage nach der Sinnhaftigkeit meiner Arbeit bei Staples. Ein wichtiges Thema für mich, auch in Zukunft.

 

 

Meine aktuelle Antwort ist gleichzeitig die Erkenntnis der letzten 5 Monate, dass nur ich selbst meiner Arbeit einen Sinn geben kann. Und zwar nicht, indem ich diese Sinnhaftigkeit in äußeren Rahmenbedingungen und Inhalten suche, sondern indem ich der Arbeit mit der richtigen Einstellung begegne. Wenn nicht täglich, dann zumindest so oft wie möglich.

 

 

Nicht falsch verstehen. Ich bin weiterhin der Meinung, dass man äußere Rahmenbedingungen bewusst verändern soll, wenn sie nicht mehr passen. Auch und insbesondere im Arbeitsalltag. Auch will ich Arbeit nicht zwingend mit Krankheit vergleichen. Wichtig ist die Erkenntnis, dass es  meine eigene Einstellung ist, die den Unterschied zwischen.

 

Sinnhaftigkeit und Unsinn macht.

Immer.