Stille in der Stadt (04.11.2017)

April bis August waren 5 herausfordernde Monate. Von einem Tag auf den anderen wurde es ziemlich laut: es gab viele Dinge zu verstehen, zu akzeptieren, zu entscheiden, zu erfahren und zu fühlen. Und es gab unfassbar viele und lange Wartezeiten, in denen es um mich herum meist leise, jedoch in mir immer lauter wurde.  Atem- und Meditationstechniken helfen, aber dazu an anderer Stelle mehr.  Warten kann ich inzwischen echt gut. Geduld ist meine neue Kernkompetenz - ernsthaft :)

 

Mitte August hatte ich das Glück, bewusst in die Stille treten zu dürfen und zog mich zu einer 3-wöchigen Ayurveda-Kur zurück. Das leise kleine Dorf Holm-Seppensen, die ruhige kleine Ferienwohnung direkt am Waldrand und nicht zuletzt die großartige Pancha-Karma-Kur bei Michael Rohrschneider und Heike Wilkens haben dazu beigetragen, dass es nicht nur um mich herum, sondern auch in mir wieder leise wurde. Ich habe die Stille sehr genossen.

 

Wenn der Alltag sich auf Kochen, Ayurveda und Spaziergänge beschränkt und die Interaktion mit der Außenwelt auf ein Mindestmaß reduziert wird, dann wird es sehr schnell still.

 

Die Stille hat die Erlebnisse, Gedanken und Emotionen der letzten 5 Monate sortiert. Ich selbst musste gar nichts dazu beitragen und fühlte mich einfach entspannt, klar und aufgeräumt.

 

Nun bin ich zurück in Hamburg, in der Großstadt, auf Sankt Pauli. Und ich genieße die kulturelle Vielfalt, die unzähligen Menschen und die kreative Aktivität auf den Straßen. Diese Geschäftigkeit mit Stille in Verbindung zu bringen, liegt auf den ersten Blick sehr fern. Und dennoch bin ich der Meinung, dass man Stille immer und überall  als festen Bestandteil des Alltags erfahren kann. Auch und insbesondere in der Großstadt.

 

Denn Stille  bedeutet nicht zwingend die Abwesenheit von Lärm, Stress und Hektik und Stille zu finden bedarf nicht eines Rückzugs in die Abgeschiedenheit und Einsamkeit. Die heilenden Eigenschaften der Stille können wir jederzeit nutzen, indem wir unserem urbanen Alltag mit all seinen positiven und negativen Einflüssen aktiv begegnen, statt davor zu flüchten. Indem wir täglich die Verbindung zu den Orten suchen, die uns stärken und zu den Menschen, die uns inspirieren.

 

Wir haben jeden Tag die Chance, dem Leben wach und friedvoll zu begegnen und mit diesem Fokus eine ganz eigene, feinere Ebene der Stille zu finden. Und in dieser Stille fühlen wir uns entspannt, klar und aufgeräumt.

Immer.